{"id":3600,"date":"2023-07-26T19:29:50","date_gmt":"2023-07-26T17:29:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.lateshift.ch\/?p=3600"},"modified":"2023-07-26T19:30:09","modified_gmt":"2023-07-26T17:30:09","slug":"der-sklavenhandel-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.lateshift.ch\/?p=3600","title":{"rendered":"Der Sklavenhandel \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ende des Sklavenhandels ist eine zivilisatorische Errungenschaft, hervorgebracht von WEISSEN, also von Vertretern der Hautfarbe, die heute von denen, die sich f\u00fcr eine Inkarnation von moralischer Rein- und \u00dcberlegenheit halten, verdammt wird. Der zweite und letzte Teil unserer kurzen Serie zum Sklavenhandel widmet sich dieser zivilisatorischen Leistung und den hohen Kosten, mit der sie verbunden war, hohe Kosten vor allem f\u00fcr die schwarzen Staaten der Ashanti und Yoruba und das K\u00f6nigreich Dahome, die im 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhundert ihre wirtschaftliche Bl\u00fcte dem Sklavenhandel zu verdanken hatten \u2013 deutlich erkennbar an ihrem Verfall nach dem Verbot der Sklaverei. Die Kinder und Naiven, die heute durch die Welt laufen, um ihre Unkenntnis zu verbreiten und die Welt in schlechte Wei\u00dfe und gute Schwarze teilen, werden \u00fcberrascht sein zu lesen, dass K\u00f6nigreiche der Schwarzen an der Goldk\u00fcste in Afrika auf Sklavenhandel gegr\u00fcndet waren, dem Verkauf von von Schwarzen gefangenen Schwarzen an Wei\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das folgende Exzerpt stammt aus Fischer \u201cWeltgeschichte\u201d Band 32: Afrika, verfasst von Pierre Bertaux; Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt 1983, eine Rarit\u00e4t aus der Zeit, als man noch Dinge wusste, und Wissen gerade NICHT durch Gef\u00fchl ersetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"301\" height=\"500\" src=\"https:\/\/blog.lateshift.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Fischer-Weltgeschichte-Afrika-1983-1.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-3601\" srcset=\"https:\/\/blog.lateshift.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Fischer-Weltgeschichte-Afrika-1983-1.webp 301w, https:\/\/blog.lateshift.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Fischer-Weltgeschichte-Afrika-1983-1-181x300.webp 181w\" sizes=\"auto, (max-width: 301px) 85vw, 301px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cDie Aufhebung der Sklaverei und die Probleme, die sie hervorrief, machen einen gewissen, dem Liberalismus des 19. Jahrhunderts inh\u00e4renten Widerspruch deutlich. Als \u00f6konomisches System konnte der Liberalismus nur funktionieren, wenn sich auch die Konkurrenten an die Regeln hielten. Wenn sie diese nicht einhielten oder anderen Gesetzen folgten, war der Liberalismus gen\u00f6tigt, ihnen entweder seine Regeln aufzuzwingen oder sich den ihren zu unterwerfen. Die Abschaffung der Sklaverei war zwar l\u00f6blich, aber unhaltbar, wenn die spanischen, portugiesischen, franz\u00f6sischen oder anderen Konkurrenten ihre unbezahlten Arbeitskr\u00e4fte beibehielten. Die Briten sahen sich deshalb durch den Zwang der Umst\u00e4nde gen\u00f6tigt, die St\u00fctzpunkte des Sklavenschmuggels immer sch\u00e4rfer zu \u00fcberwachen und an der afrikanischen K\u00fcste in verschiedenen Formen Verwaltungszellen aufzubauen, die zu den Keimen der sp\u00e4teren Kolonien wurden. Die Gouverneure von Sierra Leone, die in der \u00dcberwachung des Schmuggels einige Erfahrung besa\u00dfen, wiederholten in ihren Berichten die Notwendigkeit einer Ausdehnung der englischen \u00dcberwachung auf die gesamte K\u00fcste, wenn der Sklavenschmuggel wirksam unterbunden werden sollte. Die Abschaffung des Sklavenhandels hate den heimlichen Handel sehr lukrativ werden und bis 1850 sogar anwachsen lassen. Dabei hatte sich die Lage der durchgeschmuggelten Sklaven verschlimmert. Wurde ein Sklavenh\u00e4ndlerschiff von der britischen Marine hart verfolgt, so warf die Besatzung im letzten Augenblick die gefesselten Gefangenen \u00fcber Bord, um nicht in flagranti ertappt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Abschaffung des Sklavenhandels glaubten die Holl\u00e4ndern und D\u00e4nen, die an der Goldk\u00fcste befestigte Kontore besa\u00dfen, nicht mehr an die Rentabilit\u00e4t ihres Afrikahandels. Sie traten daher ihre Niederlassungen an die Briten ab; 1850 die D\u00e4nen, 1872 die Holl\u00e4nder. Als allein Interessierte verk\u00fcndeten die Briten 1874 die Goldk\u00fcste zur britischen Kronkolonie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht weit davon entfernt, an der Sklavenk\u00fcste und im Nigerdelta, trieb jedoch der Sklavenhandel nach Kuba und Brasilien wilde Bl\u00fcten. Er stellte denn auch die Haupteinnahmequelle des K\u00f6nigreichs Dahome dar. Ein Unterdr\u00fcckungsfeldzug gegen den Sklavenhandel f\u00fchrte das franz\u00f6sische Kriegsschiff \u2018La Malouine\u2019 dazu, sich einiger Gebiete zu bem\u00e4chtigen, denen anscheinend kein gro\u00dfer Wert beizumessen war, so 1832 an der Elfenbeink\u00fcste, 1837 in Casamance, 1842 in Guinea und 1851 in Dahome. 1849 entschloss sich das Foreign Office, die Sklavenverschiffung in den H\u00e4fen von Wydah, Badagri und Lagos sowie in den sogenannten Oil Rivers, der Nigerm\u00fcndung, zu unterbinden. 1851 bem\u00e4chtigten sich die Briten der Stadt Lagos, die 1861 formell britische Kolonie wurde. Damit verschwand aus dem europ\u00e4ischen Afrikahandel das Element, das w\u00e4hrend dreieinhalb Jahrhunderten seine Grundlage gewesen war. Damit wurde aber auch ein Gro\u00dfteil der afrikanische, direkt oder indirekt auf den Sklavenhandel ausgerichteten T\u00e4tigkeiten \u00fcberfl\u00fcssig und in ihren Fundamenten ersch\u00fcttert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Historiker kann sich in seiner Darstellung der afrikanischen Geschichte nicht genug mit jenen zahlreichen Problemen auseinandersetzen, welche die Sklaverei stellte, allerdings weniger vom moralischen Standpunkt aus \u2013 nicht hier liegt seine Aufgabe \u2013 als in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Vielleicht wird sp\u00e4ter einmal eine Geschichte Afrikas unter dem Gesichtswinkel der jeweiligen Arbeitsformen in den verschiedenen afrikanischen Gesellschaften geschrieben werden, denn diese Formen haben sehr weitgehend die wirtschaftlichen, sozialen und endlich auch politischen Strukturen gepr\u00e4gt. Ein Aspekt dieser Frage ist nat\u00fcrlich die Zwangsarbeit und ihre charakteristischste Form, die Sklaverei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"556\" height=\"378\" src=\"https:\/\/blog.lateshift.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Arab-Slvae-trade-1.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-3602\" srcset=\"https:\/\/blog.lateshift.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Arab-Slvae-trade-1.webp 556w, https:\/\/blog.lateshift.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Arab-Slvae-trade-1-300x204.webp 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 556px) 85vw, 556px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben bereits dargestellt, wie zwischen dem 9. und dem 16. Jahrhundert die Reiche der sudanesischen Zone am S\u00fcdausgang der transsaharischen Handelsstra\u00dfen entstanden, deren Handel einerseits der mit Sklaven, andererseits der mit Salz, Gold und Stoffen war. Dieser transsaharische Handel bestand bis Ende des 19. Jahrhunderts, ohne sich weiterzuentwickeln. Im Gegenteil, er verlor an Bedeutung \u2013 wenigstens in relativer Hinsicht \u2013 durch die Tatsache, da\u00df andere Handelswege entstanden. Handel trieb man mit den Afrikanern s\u00fcdlich der Sahara nicht mehr auf den schwierigen Karawanenwegen durch die W\u00fcste, sondern auf dem viel billigeren und weniger umst\u00e4ndlichen Seeweg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn des 15. Jahrhunderts benutzen die europ\u00e4ischen H\u00e4ndler Ankerpl\u00e4tze an der afrikanischen K\u00fcste. Die Sklavenh\u00e4ndler holten ihre \u2018Ware\u2019, die sie gegen Gewehre, Pulver, Salz, Stoffe, Eisen- und Glaswaren tauschten. Es scheint, das weder der europ\u00e4ische Handel weit in das Landesinnere vorgedrungen, noch der Sklavenfang in einer gro\u00dfen Entfernung von der K\u00fcste getrieben worden ist. Letzteres scheint nicht mit dem Sklavenhandel der Haussa und Bornu in Konkurrenz getreten zu sein. Die traditionellen Sklavenm\u00e4rkte von Timbuktu, Gao und Kano behielten ihre Bedeutung, w\u00e4hrend an der K\u00fcste die Ashanti Sklaven fingen, die sie an die Fanti verkauften; letztere verkauften sie an die europ\u00e4ischen H\u00e4ndler weiter, die aus Sicherheitsgr\u00fcnden in einiger Entfernung von der K\u00fcste vor Anker gingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Handel lie\u00df regelm\u00e4\u00dfig Beziehungen entstehen und f\u00fchrte zur Errichtung von H\u00e4fen, wo man sich mit S\u00fc\u00dfwasser versorgen und etwas Elfenbein und Leopardenfelle erstehen konnte Diese bald wohlhabenden Hafenst\u00e4dte zogen immer neue T\u00e4tigkeitsbereiche und Handelskan\u00e4le an sich und trieben ihre Ver\u00e4stelungen ins Innere des Kontinents. Immer st\u00e4rker begann der afrikanische Handel die Binnenstra\u00dfen zu vernachl\u00e4ssigen, sich auf die K\u00fcste hin zu orientieren und ganz auf den Seehandel umzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese neue Ausrichtung ist zwar durch die Bed\u00fcrfnisse des europ\u00e4ischen Handels ausgel\u00f6st, aber allein von den Afrikanern verwirklicht worden. Mit Ausnahme der Franzosen, die zwischen 1626 und 1660 auf dem Senegal 400 km landeinw\u00e4rts vorstie\u00dfen, wagten sich europ\u00e4ische H\u00e4ndler nicht ins Landesinnere. Die wenigen portugiesischen Niederlassungen am Zambesi wurden schnell von den schwarzen Volksgruppen absorbiert. Ihre Niederlassungen im Kongo und in Angola riefen andere Probleme hervor. Nirgends \u2013 soviel l\u00e4\u00dft sich mit Sicherheit sagen \u2013 hat sich in Afrika das Gegenst\u00fcck zu den Unternehmen der Konquistadoren in der Neuen Welt ereignet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 17. und 18. Jahrhundert lag nicht Gegnerschaft, sondern \u00dcbereinstimmung der Interessen zwischen kaufenden europ\u00e4ischen H\u00e4ndlern und verkaufenden Schwarzen vor. Auf neuer Wirtschaftsbasis entstanden auch in Westafrika neue politische Organisationen als Folge ihrer Beziehungen zur K\u00fcste; alte begannen sich neu zu beleben, so etwa die Ashanti, Dahome und die Yoruba. Diese neuen Systeme unterschieden sich vor allem durch ihren Besitz an Feuerwaffen von den alten. Wie schlecht diese von den Europ\u00e4ern nach Afrika eingef\u00fchrten Gewehre auch sein mochten, sie sicherten ihren Besitzern eine \u00dcberlegenheit, die sie zu nutzen verstanden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"165\" src=\"https:\/\/blog.lateshift.ch\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Ashanti-Kingdom.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-3603\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hat bei den Ashanti Osei Tutu (1695-1731), eine bedeutende Gestalt der afrikanischen Geschichte, au\u00dferordentliche Energie und bemerkenswerten politischen Sinn bewiesen, indem er \u2013 sie es durch Krieg und Unterwerfung, sei es durch Verhandlung und F\u00f6deration \u2013 die benachbarten St\u00e4mme zusammenschlo\u00df, wobei er ihre Eigenart respektierte und ihre H\u00e4uptlinge in seinen Bundesrat aufnahm. Er wusste sie zu Freunden zu machen, ohne mehr von ihnen zu verlangen, als dass sie ihre eigene Vergangenheit hinter sich lie\u00dfen und ihre besonderen Traditionen aufgaben. Er verstand es, sich mit Priestern und weisen M\u00e4nnern zu umgeben, deren Rat er zu nutzen wu\u00dfte. Ergr\u00fcndete das K\u00f6nigreich der Ashanti, zu dessen Hauptstadt er Kumasi machte, das in der Folge eine gro\u00dfe Ausstrahlung erlangen sollte. Nachdem er im Kampf gefallen war, f\u00fchrten seine Nachfolger sein Werk fort. Wir werden sp\u00e4ter auf die Auseinandersetzungen der Ashanti und ihrer s\u00fcdlichen Nachbarn, der Fanti, mit den britischen Kolonialbeh\u00f6rden zur\u00fcckkommen, Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte das Reich der Ashanti unter dem \u2018Bundesk\u00f6nig\u2019 Osei Osibe Kwamina seine gr\u00f6\u00dfte Bl\u00fcte. Die Autorit\u00e4t des Herrschers erstreckte sich \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Teil des heutigen Ghana, \u00fcber das Siedlungsgebiet der Mossi und das Gebiet um Kong (heute Obervolta und der n\u00f6rdliche Teil der Elfenbeink\u00fcste). Der K\u00f6nig von Dahome schickte ihm Ehrengeschenke. Er bereitete sogar den britischen Truppen eine vor\u00fcbergehende Niederlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen gleichzeitigen Aufstieg mit \u00e4hnlichen Merkmalen erlebte das K\u00f6nigreich Dahome. Seine milit\u00e4rische und wirtschaftliche Organisation (beide hingen engstens zusammen) weist nicht allzu viele Unterschiede auf. Immerhin war Dahome keine F\u00f6deration, sondern eine absolute Monarchie, die sich auf den Krieg und seinen j\u00e4hrlichen Ertrag gr\u00fcndete. Anl\u00e4\u00dflich der gro\u00dfen Feste wurden in der Hauptstadt Abomey zahlreiche Menschenopfer dargebracht als bekr\u00e4ftigender Ausdruck der Erhabenheit des bewunderten und gef\u00fcrchteten F\u00fcrsten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter \u00f6stlich lag das K\u00f6nigreich der Yoruba, dessen Hauptstadt Oyo war. Es war \u00e4lter als die K\u00f6nigreiche Ashanti und Dahome, l\u00f6ste sich aber schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es verdient Beachtung, dass keine der drei Hauptst\u00e4dte \u2013 Kumasi, Abomey, Oyo \u2013 an der K\u00fcste lag, sondern 120 bis 200 km im Innern des Landes mitten in dem Gebiet des Sklavenauftriebs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um 1850 sahen sich diese, auf der Grundlage des Sklavenhandels beruhenden und w\u00e4hrend dreieinhalb Jahrhunderten bl\u00fchenden politischen Organisationen in ihrer wirtschaftlichen Grundlage ersch\u00fcttert, denn es entglitt ihnen mit der Abschaffung des Sklavenhandels die Hauptquelle ihres Reichtums. Kein anderer lohnender Handel konnte zu diesem Zeitpunkt an Stelle des ge\u00e4chteten treten. Gew\u00fcrze fanden die Europ\u00e4er unter wesentlich g\u00fcnstigeren Bedingungen in Indien. Gold und Elfenbein waren nur in sehr sp\u00e4rlichen Mengen vorhanden. Nirgends au\u00dfer auf Sao Thom\u00e9, wo die Nachkommen 1492 aus Spanien vertriebener Juden Zuckerrohr anbauten, hatten die Wei\u00dfen Plantagen angelegt, wozu sich auch nur Unvernunft h\u00e4tte verleiten k\u00f6nnen, denn auf den Antillen bestanden unvergleichlich g\u00fcnstigere Voraussetzungen. Auch die Schwarzen hatten ausschlie\u00dflich f\u00fcr ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse produziert. Zum Zeitpunkt der Aufhebung der Sklaverei, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, scheint ein einziger Agrarsektor einige Aussicht auf lohnenden Ertrag gehabt zu haben, n\u00e4mlich das Palm\u00f6l des Nigerdeltas, wo die Palmen ohne Pflege gediehen und wo ein dichtes Netz von Flu\u00dfl\u00e4ufen den Transport der Ernte unter g\u00fcnstige Bedingungen stellte. Transporte aus Menschenr\u00fccken wurden hier \u00fcberfl\u00fcssig. Die f\u00fcr das Vieh t\u00f6dliche Tse-Tse-Fliege hatte die Einf\u00fchrung von Lasttieren verhindert. S\u00fcdlich der Sahara gab es nirgends Stra\u00dfen, nur Pfade, die den Transport auf dem menschlichen R\u00fccken und im G\u00e4nsemarsch erlaubten. Abgesehen von der Siedlungskolonie des Kaps was also Ostnigeria der einzige Winkel Afrikas, wo sich die M\u00f6glichkeit einer lohnenden Bewirtschaftung abzeichnete, die vielleicht den Sklavenhandel abzul\u00f6sen und das Interesse der Europ\u00e4er an Afrika erneut zu wecken imstande schien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Unterschied zum arabischen System der Sklaverei, das \u2013 wir haben die Gr\u00fcnde daf\u00fcr bereits erw\u00e4hnt \u2013 zu keiner Entstehung einer schwarzen Bev\u00f6lkerung au\u00dferhalb Afrikas gef\u00fchrt hat, brachte jenes der Europ\u00e4er auch eine positive Seite der Sklaverei hervor. Die Millionen nach der Neuen Welt deportierten Sklaven wurden dort zu Begr\u00fcndern neuer Geschlechter. In Brasilien, auf den Antillen und in den Vereinigten Staaten entstanden bl\u00fchende negro-afrikanische Kulturen, die die moderne Welt um wertvolle Beitr\u00e4ge bereichert haben. Wenn sie auch ihrer Freiheit und ihrer Heimat beraubt worden waren, so wurden im allgemeinen die Sklaven der Pflanzer nur ausnahmsweise misshandelt. Ihr Gesundheitszustand war letztlich genauso gut wie jener ihrer im Busch verbliebener Br\u00fcder, die von der Schlafkrankheit, dem Gelbfieber, der Lepra, der Unterern\u00e4hrung, der hohen Kindersterblichkeit und den Massenmorden hinweggerafft wurden.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ende des Sklavenhandels ist eine zivilisatorische Errungenschaft, hervorgebracht von WEISSEN, also von Vertretern der Hautfarbe, die heute von denen, die sich f\u00fcr eine Inkarnation von moralischer Rein- und \u00dcberlegenheit halten, verdammt wird. 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