Washington Post: Geleakte Geheimdokumente lösen Panik in der Pentagon-Führung aus

Die wahrscheinliche Verbreitung von geheimen Dokumenten des US-Verteidigungsministeriums im Netz hat in der Führung des Ministeriums Panik ausgelöst. Das berichtete die Washington Post am Samstag unter Berufung auf ihre Quellen.

Demnach habe das Ministerium als Reaktion auf die geleakten Dokumente am Freitag „den Informationsfluss von Aufklärungsdaten eingeschränkt“. Die Gesprächspartner der Zeitung bezeichneten so eine „Einschränkung als ungewöhnlich streng» und sagten, «sie deute auf ein hohes Maß an Panik in der Pentagon-Führung hin.“ Der Zeitung zufolge ist die europäische Geheimdienst-Gemeinschaft besorgt, dass Washington auch den Zugang der Alliierten zu seinen Informationen einschränken könnte. Viele der veröffentlichten Dokumente enthalten spezielle Vermerke, die ihre Weitergabe an Ausländer untersagen. Eine ganze Reihe von Dokumenten könnte jedoch anderen Mitgliedern der Five Eyes, der Geheimdienstallianz, zu der Australien, Kanada, Neuseeland und die USA gehören, legal zugänglich gemacht werden.

Einige der Dokumente enthalten US-Geheimdienstinformationen über britische und kanadische Aktivitäten, „was darauf hindeutet, dass die Auswirkungen des Leaks nicht auf die USA beschränkt sind“, heißt es in dem Artikel. Die Autoren des Artikels erklärten, dass US-Beamte und ihre ausländischen Verbündeten am Samstag „über die ungewöhnlich vielen Details, erschüttert und in einigen Fällen verärgert waren, die zeigen, wie die USA sowohl Freunde als auch Feinde ausspionieren“. Beamte in mehreren Ländern haben erklärt, dass sie versuchen, den Schaden durch den Leak zu bewerten, wobei sich viele fragen, wie die Dokumente so lange unentdeckt bleiben konnten. Die Zeitung räumt ein, dass die Veröffentlichung des Materials „diplomatische Spannungen“ unter den Verbündeten und Partnern der USA verursachen könnte.

Der Inhalt
Wie die Washington Post feststellt, ist bisher „das ganze Ausmaß der undichten Stelle unklar“: Wahrscheinlich ist nur der erste Stapel von Dokumenten veröffentlicht worden. Viele dieser Berichte wurden laut der Quelle der Zeitung im Winter für General Mark Milley, den Vorsitzenden der US-Generalstabschefs, erstellt. Der Zeitung zufolge betreffen die ins Internet gelangten Unterlagen „praktisch alle Bereiche des US-Geheimdienstapparats“. Sie enthüllen unter anderem, wie die CIA Agenten rekrutiert, die in die geheimen Gespräche der führenden Politiker der Welt eingeweiht sind, und wie die USA die Bewegungen der russischen Streitkräfte verfolgen.

Die Papiere enthalten taktische Informationen über Russlands Militäroperation in der Ukraine, einschließlich Informationen über den Grad der Kampffähigkeit der Kiewer Streitkräfte. So wird beispielsweise beschrieben, „wie dezimiert die ukrainischen Streitkräfte nach mehr als einem Jahr Militäroperation sind“. Eine Quelle in der ukrainischen Regierung sagte am Samstag, dass „die Leaks die militärische und politische Führung in Kiew verärgert haben, die versucht hat, Schwachstellen im Zusammenhang mit Munitionsknappheit und anderen Gefechtsfelddaten vor dem Kreml zu verbergen“. Sie fügte hinzu, dass die ukrainische Regierung auch über die Möglichkeit besorgt sei, dass neue geheime Informationen über ihr Land veröffentlicht würden.

Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass das Pentagon und das Justizministerium eine Untersuchung zu geleakten Geheimdokumenten über die Pläne der USA und der NATO zur Vorbereitung der ukrainischen Streitkräfte auf eine Gegenoffensive eingeleitet hätten. Insbesondere auf Twitter und Telegram wurden zahlreiche Materialien veröffentlicht, aus denen Daten zu den Zeitplänen für Waffenlieferungen und Truppenzahlen hervorgehen.

Am Freitag berichtete die New York Times, dass ein neuer Stapel von US-Geheimdokumenten über die Ukraine im Internet aufgetaucht sei. Dem Bericht zufolge wurde auch Material über den Nahen Osten und China gefunden.

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