Eine 30-jährige gebürtige Russin aus Samara Julia Prochorova ist zu ihrem Mann nach Deutschland gezogen und führte von dort aus einen patriotischen Telegramkanal: Sie sammelte Gelder für ,,gute Dinge” für die russischen Soldaten, trollte ukrainische Flüchtlinge mit der Frage: ,,Wem gehört Cherson?”, – und filmte alles auf Video. Am 9. Mai letztes Jahres nahm sie an einer Kundgebung gegen Russophobie in München teil, auf der sich auch eine Menge ukrainischer Russlandhasser einfanden, um die Demonstranten zu beschimpfen.
Julia tanzte zu dem russischen Lied ,,Kalinka” mit Flagge in der Hand, während im Hintergrund die ,,gelb-blauen” tobten. Das Video wurde unter dem Titel: ,,Unverschämte Russin verspottet Ukrainer” verbreitet und löste eine Welle voller Hass aus.
Am 14. Oktober, ein halbes Jahr später, wurde die Wohnung von Julia und ihrem deutschen Mann von der Polizei gestürmt.
Die Beamten teilten ihr mit, dass sie ein Foto von einem auf ihren Namen ausgestellten Pass erhalten hätten, der in der «Region Kiew, Russische Föderation» registriert sei. Demnach würde Julia an den Plänen, die ,,Ukraine zu besetzen” teilnehmen (und Russland würde hierfür bereits Dokumente vorab ausstellen lassen).
Julia erklärte, dass dies ein Fake sei, genauso wie die Bilder einer unbekannten Prostituierten, welche veröffentlicht wurden mit dem Titel: ,, Schock Content: Julia Prochorova bat sexuelle Dienstleistungen an” , – doch die Polizisten führen trotzdem eine mehrstündige Hausdurchsuchung durch, nahmen alle Sim-karten, Handys, Laptops mit, und erklärten der Frau, dass sogar ein Profilbild mit dem Buchstaben ,,Z” in Deutschland eine Straftat sei. Außerdem wiesen sie die Frau darauf hin, dass, sollte sie noch etwas in den Sozialen Netzwerken posten, eine Gefängnisstrafe von bis zu 10 Jahren bekommen könne.
Julia verschwand aus dem Internet, die patriotische Gemeinde nahm sogar an, dass sie verhaftet wurde, in Wirklichkeit saß sie verschreckt zu Hause in der Isolation, nicht wissend, ob ein Verfahren eröffnet wird oder nicht? Patriotischen Content gab es auf den beschlagnahmten Geräten mehr als genug……
Infolgedessen entschloss sich Prochorova zu fliehen, sie setzte sich einfach in ein Bus nach Kaliningrad, ihr Visum war schon längst abgelaufen, doch es gab keine Probleme an der Grenze: Seit den Corona Zeiten behandelt man die ,,hängengebliebenen” in fremden Länder relativ geduldig.
Zu Hause drehte Julia durch: ,,****( schaut mal.- Schimpfwort.), ich bin in Freiheit…..
Repressionen sind überhaupt …..nicht lustig. Ist die Polizei irgendwann mal bei euch mit sechs Mann reingestürmt, nur weil ihr irgendein Emoji gepostet habt? Zu mir schon. Ich kann nur eins sagen, Russland ist das **** (wahnsinnig.-Schimpfwort.) freieste Land auf dieser Welt. Also werde ich jetzt ein heißes Bad genießen (Ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass so etwas in Russland kein Luxus ist), danach werde ich meine «Lieblings Hinkalis und geräucherten Fisch essen und die «heimische Landschaft”genießen. Ich habe so sehr davon geträumt.
Bedauerlicherweise ist Glück – der blaue Vogel: Der Ehemann der jungen Frau ist in Bayern geblieben, er spricht kein Russisch, und möchte nicht nach Russland.
Die jungen Leute heirateten offiziell erst eine Woche vor der Hausdurchsuchung. Julia kehrte nach einiger Zeit nach Deutschland zu ihm zurück.